Bienensterben: Wenn es im Garten nicht mehr summt

Gehört hat man vom Bienensterben mit Sicherheit schon einmal, direkt aufgefallen ist es einem vermutlich noch nicht. Auch wenn seit einigen Jahren die Bienenpopulation in manchen Erdteilen drastisch abnimmt, werden wir es zuhause im heimischen Garten wohl eher weniger registrieren. Denn eine Biene kommt immer wieder mal vorbeigesummt. Auch wenn Bienen uns nichts tun, sind sie gerade auf der Terrasse, beim Kaffeeklatsch oder beim Grillen keine gern gesehenen Gäste. Somit fällt es also auch nicht auf, wenn sie ausbleiben, schon eher, wenn sie gehäuft auftreten würden.

Warum die Bienen sterben

Geht es ums Bienensterben, dann ist die Ursache noch immer nicht vollständig geklärt, auch wenn als wichtigster Grund der Befall mit der sogenannten Varroamilbe gilt. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der an Honigbienen haftet und sich innerhalb des Bienenstocks entwickelt und vermehrt. Während die Milben den Bienen Hämolymphe entziehen und sie dadurch schwächen, entwickeln sich befallene Puppen erst gar nicht richtig und bleiben rund ein Zehntel kleiner als gesunde Bienen. Die Folge ist ein früheres Sterben der Insekten. BienenAllerdings scheint nicht der Milbenbefall die eigentliche Ursache zu sein, sondern die Übertragung schädigender Viren. Seit einigen Jahren beginnt daher vor allem ab dem Herbst ein drastisches Bienensterben.

Neben der Varroamilbe machen Experten aber auch noch andere Einflüsse für das Bienensterben verantwortlich. So zum Beispiel einen weiteren Parasiten, die sogenannten Buckelfliege, die ihre Eier direkt in der Honigbiene ablegt, wodurch die Insekten schließlich sterben. Auch Unter- bzw. Fehlernährungen, die durch Stress auftreten, werden als Ursache nicht ausgeschlossen, ebenso wie Pestizide, Immunschwächen, Transgene Pflanzen und sogar die Auswirkungen der Mobilfunktechnik.

Die Auswirkungen des Bienensterbens

Nun könnten Unbedarfte mit den Achseln zucken und sagen: „Wenn es keine Bienen mehr gibt, müssen wir eben auf Honig verzichten“. So einfach kann man das Bienensterben und seine Folgen allerdings nicht abtun. Zwar wird die Menschheit – wie von einigen propagiert – wohl nicht aussterben, wenn es keine Bienen mehr geben würde, allerdings würden sich die Lebensgewohnheiten drastisch ändern. Schon allein deshalb, weil zwei Drittel der Nahrungsmittel von der Arbeit der Bienen abhängen.

Hinzu kommt, dass von den weltweit rund 380.000 Pflanzenarten, ca. 170.000 von Bienen bestäubt werden. Die Pflanzenvielfalt würde somit um ein Vielfaches zurückgehen. Einst soll Albert Einstein gesagt haben: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“ Dass dieser Ausspruch nicht von Albert Einstein stammt, wurde mittlerweile widerlegt. Doch selbst wenn, wäre diese Aussage laut „Die Zeit“ von 2007 biologischer Unsinn, denn die Honigbienen sind erst durch die Europäer nach Amerika gebracht worden.

Weltweites Bienensterben

Bienenvölker sterben, daran ist erst einmal nichts Schlimmes zu sehen. Wenn anstatt jedem zehnten Bienenvolk jedes dritte stirbt, sind die Zahlen aber alarmierend. Deswegen kann bei diesen Zahlen durchaus von einem weltweiten Bienensterben gesprochen werden, auch wenn die Sterberaten von Land zu Land unterschiedlich sind. So starben zum Beispiel in den Jahren 2006 und 2007 in den Vereinigten Staaten bis zu 80 Prozent der Bienenpopulation. In Deutschland waren es in einem Studienzeitraum von vier Jahren 12 Prozent. Länder wie Kanada, Großbritannien und Australien sind vom Bienensterben dagegen kaum betroffen.

Wichtig für Experten ist es, die genaue Ursache zu finden, um dem Bienensterben entgegenwirken zu können. Dass weltweit alle Bienen irgendwann einmal aussterben könnten, gilt dagegen als unwahrscheinlich. Wir sollten deswegen den fleißigen Bienen in unserem Garten vielleicht anders als bisher begegnen und nicht gleich mit Insektenschutzmitteln oder Fliegenklatschen kommen, sondern uns lieber an den Bienen erfreuen – auch wenn diese manchmal lästig sein können. Denken Sie daran: Menschen sind es ebenfalls.

 

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Bild: © Michael Tieck – Fotolia.com

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