Insektensterben

Insektensterben: Dramatische Entwicklung und was wir tun können

Draußen im Garten sitzen, die Sonne genießen, grillen oder der Gartenarbeit nachgehen – wer kennt das als Gartenbesitzer nicht? Immer mit dabei sind Bienen, Wespen, Hummeln und nicht zu vergessen die Schmetterlinge. Während letztere wohl bei den meisten noch Verzückung hervorrufen, fühlt sich so mancher Hobbygärtner durch die summenden Fluginsekten gestört und ist vielleicht sogar froh, dass diese in den letzten Jahren weniger geworden sind. Dabei ist es gar nicht gut, wenn die Insekten immer weniger werden. Gar nicht gut? Verheerend!

Insektensterben: Warum sind Insekten so wichtig?

Wenn wir vom Insektensterben sprechen, dann meinen die meisten damit Bienen, Hummeln & Co. Doch auch viele andere Insekten, die beispielsweise im Boden leben, sorgen dafür, dass das Ökosystem funktioniert. So sind manche für die Vermehrung von Pflanzen, anderen für die Fruchtbarkeit des Bodens verantwortlich. Laut Studien ist es aber tatsächlich so, dass vor allem Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen vom Insektensterben bedroht sind. Innerhalb der letzten fast 30 Jahre ist die Population an Insekten in manchen Bereichen Deutschlands um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.

InsektensterbenDies haben unter anderem Entomologen aus Krefeld bewiesen. Sie haben in jedem Jahr Insektenfallen aufgestellt – seit 1989. Enthielt die Falle aus dem ersten Forschungsjahr noch rund 1,4 Kilo tote Insekten, waren es 2016 nur noch 295 Gramm. Ein erschreckender Rückgang!

Vor allem die Bestäubung von Pflanzen ist wichtig, damit wir Obst und Gemüse, also unsere Nahrungsmittel, auch ernten können. Damit ist unsere Nahrungskette in höchster Gefahr. Zwar sind Japaner mittlerweile dazu übergegangen, Kirschblüten per Hand zu bestäuben, doch dieses Horrorszenario wird hoffentlich nicht irgendwann zur Gewohnheit werden. Weltweit gibt es rund 1 Million unterschiedliche Insektenarten, 33.000 davon kommen auch bei uns in Deutschland vor. Neben Wildbienen, von denen es 20.000 verschiedene Arten auf der Welt gibt, sind auch Käfer, Wespen, Motten, Fliegen, Schmetterlinge und nicht zuletzt Vögel für die Bestäubung von Blüten verantwortlich.

Insektensterben: die Gründe

Warum die Population an Insekten immer weiter schwindet, hat viele Ursachen. Die häufigste ist wohl die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft. Weitere Ursachen sind unter anderem:

  • Die intensive Landwirtschaft (Überdüngung, monotone Agrarlandschaft)
  • Die Verluste an Biotopen durch zu viel Stickstoff im Boden
  • Der Klimawandel
  • Der Flächenverbrauch
  • Die massive Bebauung
  • Die niedrigen Preise der Großkonzerne

Hauptursache sind, wie schon erwähnt, die Pestizide, bei denen vor allem die sogenannten Neonicotinoide verantwortlich waren. Waren deshalb, weil sie mittlerweile EU-weit verboten wurden. EU-weit, aber nicht weltweit …

Neben den Pestiziden sind auch Unkrautvernichtungsmittel wie vor allem Glyphosat in der Diskussion. Auch dieses Gift soll für das Insektensterben verantwortlich sein. Ob und wann es verboten wird, steht noch nicht fest.

Insektensterben: Die Bestäubung als Teil unseres Lebens

Nicht jede Pflanze ist auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Es gibt Pflanzen, wie etwa Tomaten oder Kürbisse, die Zwitterpflanzen sind. Das heißt, dass sie männliche und weibliche Blüten bilden, sich somit quasi selbst bestäuben können. Dabei genügt schon ein kleiner Windstoß. Die meisten Pflanzen aber sind auf Insekten angewiesen, denn sie besitzen nur männliche oder nur weibliche Blüten. Insekten kommen aber nicht vorbei, weil sie uns Menschen einen Gefallen tun möchten, sondern weil ihnen die Blüten bzw. der Nektar als Nahrung dient. Dabei gibt es Spezialisten, die sich nur auf ganz bestimmte Pflanzen stürzen, andere sind sogenannte Generalisten, die nicht so wählerisch sind.

Übrigens: Von den Insekten ist nicht nur der Mensch abhängig, sondern die gesamte Tierwelt. So dienen Pflanzen anderen Tieren als Nahrung, aber auch die Insekten selbst werden mit Genuss vertilgt. Vielleicht haben Sie ja in jüngster Vergangenheit auch etwas vom Vogelsterben gehört oder sogar bemerkt, dass es weniger Piepmätze gibt. Auch das ist eine Folge des Insektensterbens.

Insektensterben: Was wir tun können

Gefragt sind alle: Vom Politiker über den Landwirt bis hin zu Industrie und Städteplanern. Angesetzt werden muss in diesen Fällen so schnell wie möglich, um das Schlimmste noch zu verhindern.

  • Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel müssen auf den Prüfstand und im besten Falle verboten werden. Nicht nur in Deutschland oder der EU, sondern weltweit.
  • Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert ein flächendeckendes Insektenmonitoring. So könnten Populationen, die gefährdet sind, lokalisiert werden, damit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.
  • Der ökologische Landbau sollte immer weiter vorangetrieben werden. Der Grund: Hier ist der Einsatz von Pestiziden bereits stark eingegrenzt.
  • Die Landwirtschaft sollte wieder vielfältiger werden. Monokulturen sind nicht nur für die Böden ungesund, es können auch viele Insekten nicht nach Nahrung suchen.
  • Der Ausstoß an CO2 muss weiter verringert werden. Hier ist nicht nur die Automobilindustrie angesprochen, sondern auch die Landwirte, denn auch Kühe sind Klimakiller.
  • Immer mehr naturnahe Flächen (Äcker, Wiesen, Wälder) werden für die Bebauung von Industriegebieten freigegeben. Dem Raubbau muss Einhalt geboten werden.
  • Weil auch der Preis – wie schon erwähnt – eine Rolle spielt, sollte man nicht die billigen Gemüse- und Obstsorten aus dem Discounter kaufen, die meistens nicht aus der eigenen Region, sondern aus dem Ausland stammen. Besser ist es, regionale Produkte zu kaufen – noch besser, Bioprodukte – von denen man weiß, wo sie herkommen und sich somit sicher sein kann, dass hier alles dafür getan wird, dass das Insektensterben nicht weiter fortschreitet.

Aber auch die Gärtner können etwas dafür tun, dass Insekten Nahrung finden und so die Population nicht nur nicht weiter zurückgeht, sondern vielleicht bald wieder steigt.

  • Die Wiese im Garten muss kein Englischer Rasen sein. Ruhig mal wachsen lassen, so entwickeln sich Blumen, für die die Insekten dankbare Rastplätze sind.
  • Vielfältige Blumen pflanzen. Das ist nicht nur eine Augenweide für den Menschen, sondern auch eine Anlaufstation für Insekten.
  • Keine Pflanzenschutzmittel im Garten verwenden. Lieber Pflanzen nutzen, die robust sind und nicht anfällig für Schädlinge oder Krankheiten. Wenn doch Pflanzenschutz betrieben werden soll, dann möglichst mit Hausmitteln, bei denen keine Nützlinge sterben.
  • Es muss nicht alles ordentlich sein. Wo Wildnis herrscht, wächst vieles, was sonst im Garten keine Chance hat. Dabei muss Unordnung nicht hässlich sein. Eine hübsche Bauernwiese ist eine tolle Idee und ein echter Hingucker.
  • Insektenhotels anbieten. Da es für Insekten immer schwieriger wird, natürliche Unterschlupfmöglichkeiten zu finden, in denen sie auch nisten können, ist ein Insektenhotel eine tolle Möglichkeit. Diese gibt es fertig zu kaufen – alternativ basteln sie selbst eines. Hier fühlen sich Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge, Ohrwürmer, Florfliegen und auch Marienkäfer pudelwohl. Zudem ist ein solches Hotel eine Möglichkeit, zu überwintern.
  • Wenn Sie Gemüse anbauen, dann tut dem Boden eine Gründüngung gut. Aber auch Insekten profitieren davon. So entstehen vor der Pflanzung und nach der Ernte Zeiträume, in denen Insekten noch mehr Nahrung finden.
  • Artenvielfalt sollte im Garten großgeschrieben werden. Viele unterschiedliche Stauden, Sommerblumen und Frühblüher sind nicht nur optisch schön anzuschauen, sondern auch ein Paradies für Insekten.

Wer diese wenigen Tipps beachtet, kann schon viel gegen das Insektensterben tun. Und beim nächsten Mal, wenn es um sie herum brummt und summt, dann schlagen Sie nicht wild um sich, sondern freuen Sie sich, dass Sie besucht werden. Denn Insekten sind auch für uns Menschen lebenswichtig.

 

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Bilder: © cane

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