Kartoffeln anbauen

Vom Hobbygärtner zum Hobbybauern: Kartoffeln anbauen

Die Kartoffel ist eines der Grundnahrungsmittel auf der Welt und gehört wie Tomaten und Paprika zu den Nachtschattengewächsen. Die Knolle, die bei uns nicht wegzudenken ist, war früher allerdings in hiesigen Breitengraden gar nicht heimisch. Vielmehr kommt sie ursprünglich aus den Anden und wuchs dort vorwiegend in den Bergen. Als die Spanier kamen, nahmen sie die Pflanze mit in ihre Heimat und bauten sie zuerst als Zierpflanze an. Der Grund war die schöne weiße Blüte. Erst rund 200 Jahre später, also im 18. Jahrhundert, wurde die Kartoffel auch als Nutzpflanze entdeckt, und zwar von Friedrich dem Großen. Er versorgte mit der essbaren Knolle seine Truppen. Danach wurde sie auch in der restlichen Bevölkerung als Nahrungsmittel bekannt und verbreitete sich über den ganzen Globus. Heute essen wir in Deutschland rund 50 Kilo Kartoffeln pro Jahr.

Die meisten von uns werden den Kartoffelanbau vom Feld her kennen. Bauern bestellen die Felder, pflanzen und ernten Kartoffeln in großem Maße, die dann in den Handel kommen. Dass man aber auch selbst Kartoffeln im Garten anbauen kann, mag dagegen doch etwas ungewöhnlicher sein. Vor allem deshalb, weil die wenigsten von uns wohl keinen ausreichend großen Garten besitzen oder lieber Kräuter, Salate, Tomaten, Paprika & Co. anbauen. Aber eigene Kartoffeln? Ja doch, das kann gut funktionieren, wenn man den nötigen Platz dafür hat und das eine oder andere beachtet. Deswegen wollen wir uns heute mal dem Thema „Kartoffeln anbauen“ widmen.

Kartoffeln anbauen – die Kartoffelsorten

Bevor es losgeht, sollte man sich überlegen, welche Kartoffelsorten man anbauen möchte. Sie können aus unzähligen Sorten wählen, die einen haben ein gelbes Fruchtfleisch, die anderen ein weißes, wieder andere sind Blau oder gar Lila. Daneben sind aber für den Hobbygärtner auch der Pflegeaufwand und der Reifezeitpunkt, also die Jahreszeit, wann die Kartoffeln in die Erde kommen, zu berücksichtigen. Dabei stehen Frühkartoffeln für die Monate Januar bis Juni, mittelfrühe für April bis September und späte für Juni bis November. Und nicht zuletzt die Frage nach der Kocheigenschaft, also, ob man lieber festkochende oder mehlige Kartoffeln möchte. Alle Sorten aufzuzählen, wäre hier nicht machbar, daher ein kurzer Überblick über die besten Sorten für den Garten.

Sorte: Linda
Reifezeitpunkt: Mittelfrüh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Festkochend

Sorte: Annabelle
Reifezeitpunkt:Früh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Festkochend

Sorte: Marabel
Reifezeitpunkt:Früh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Vorwiegend festkochend

Sorte: La Bonnotte
Reifezeitpunkt:Mittelfrüh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Vorwiegend festkochend

Sorte: Hela
Reifezeitpunkt:Früh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Fest- bis mehligkochend

Sorte: Augusta
Reifezeitpunkt:Früh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Mehligkochend

Sorte: Ackersegen
Reifezeitpunkt:Spät
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Mehligkochend

Sorte: Mayan Gold
Reifezeitpunkt:Mittelfrüh
Farbe: Gelb
Kocheigenschaft: Schnellkochend

Neben den gängigen Sorten gibt es natürlich noch viele andere, die man gerne im eigenen Garten ausprobieren kann. Vor allem seltene und alte Sorten sind bei „Hobby-Kartoffologen“ sehr beliebt. Dazu zählen zum Beispiel Arran Victory (lila Schale), blaue Schweden (blaues Fruchtfleisch), Erna (gelbes Fruchtfleisch), Foxton (rote Schale), Burgundy Red Highland (rotes Fruchtfleisch), Blaue Odenwälder (dunkelblaue Schale), Yukon Gold (hellgelbes/weißes Fruchtfleisch), Salad Blue (violettes Fruchtfleisch)

Kartoffeln anbauen – die Vorbereitung

Sind mein Garten und der geplante Standort überhaupt für den Kartoffelanbau geeignet? Und wie viel Platz brauchen Kartoffeln überhaupt?

Kartoffeln sollten Sie in Reihen anpflanzen. Dabei ist zwischen den einzelnen Pflanzen ein Abstand von rund 30 Zentimeter einzuhalten. Wenn Sie rechnen, dass ein Kilogramm ca. 16 bis 18 Kartoffeln umfasst und sie pro Quadratmeter ca. 4 Knollen setzen sollten, dann brauchen Sie für ein Kilo etwa 4 Quadratmeter Platz. Ihr Garten sollte also schon eine gewisse Größe haben, damit es sich auch lohnt.

Der Standort sollte sonnig sein, denn die Pflanzen mögen es hell und warm. Staunässe mögen die Knollen gar nicht, der Boden sollte außerdem leicht bis mittelschwer sein. Sollte in Ihrem Garten ein schwerer Boden mit einem hohen Lehmanteil vorherrschen, können Sie diesen Auflockern und mit Sand vermischen. Aber auch auf kargen Böden wachsen Kartoffeln gut an, bieten dann womöglich aber eine geringere Ernte.

Kartoffeln anbauen – so geht es los

Kartoffeln anbauenIhr Garten erfüllt also alle Voraussetzungen, dort Kartoffeln anzubauen? Prima, dann kann es ja gleich losgehen. Wie schon oben erwähnt, kommt es immer darauf an, wann Sie Kartoffeln ernten möchten, demzufolge ist es wichtig, wann die Knollen gesetzt werden. Das müssen alleine Sie entscheiden. Kartoffeln können im Übrigen sowohl gesät, wie auch gepflanzt werden. Das Säen ist zwar seltener, insofern aber idealer, weil sich so Krankheiten leichter eindämmen lassen. Auch können Sie die Pflanzen auf der Fensterbank vorziehen und werden immer wieder neue Formen und Farben erhalten, da die Sämlinge nicht mehr viel mit der Mutterpflanze gemein haben. Die Beeren wachsen übrigens am grünen Kraut, also dort, wo sich auch die Blüten befinden. Sie sehen Tomaten nicht unähnlich und sollten geerntet werden, sobald sie weich sind. Danach werden sie trocken gelagert und können ab Februar im Topf ausgesät werden.

Gängiger ist das Pflanzen. Dazu sollte die Kartoffel vorkeimen. Es würde auch ohne das Keimen klappen, dann sind die Früchte aber anfälliger für die sogenannte Krautfäule. Besonders gut keimen Kartoffeln bei warmen Temperaturen und bei Helligkeit. Rund vier Wochen vor dem Pflanzen sollten Sie diese also bei bis zu 15 Grad und sehr hell lagern. Wenn der Keim ca. ein bis zwei Zentimeter lang ist, kann die Kartoffel in die Erde.

Kartoffeln anbauen – so wird gepflanzt

KartoffelblütenDass der Boden nicht schwer sein soll, haben wir oben schon geschrieben. Außerdem sollten auch keine Unkräuter mehr vorhanden sein. Lockern Sie den Boden gut durch! Kartoffeln werden in der Regel in Reihen angepflanzt. So haben sie genügend Platz. Wie schon erwähnt sollte zwischen den einzelnen Pflanzen ein Mindestabstand von 30 Zentimeter liegen. Auf eine Länge von einen Meter können Sie also 3 Pflanzen stecken. Entweder, Sie graben für jede Pflanze ein Loch, alternativ können Sie auch – so wird das Ganze auch schön gerade – eine Schnur spannen und dann daran entlang eine Pflanzrille mit der Harke ziehen. Die Tiefe, in die die Kartoffeln eingepflanzt werden, sollte zwischen 10 und 20 Zentimetern liegen. Um jeder einzelnen Pflanze ausreichend Platz zu bieten, sollte zwischen Reihen ein Abstand von rund 50 Zentimetern eingehalten werden.

Da es sich bei Kartoffeln um Starkzehrer handelt, sollten Sie in die Pflanzlöcher noch Kompost einfüllen. Alternativ gehen auch Hornspäne oder Hornmehl. Geben Sie nun die Kartoffeln in die Pflanzlöcher und verschließen Sie diese wieder mit Erde.

Kartoffeln anbauen – die Pflege

Pflegen lassen sich Kartoffeln relativ leicht. Zwei Dinge sind wichtig: Zum einen das Gießen, zum anderen das Auflockern der Erde. Gießen sollten Sie Kartoffeln – sofern es nicht regnet – regelmäßig und, vor allem nach der Blüte, täglich. Die Erde rund um die Pflanzen muss zudem immer wieder aufgelockert werden. Etwa zwei Wochen nach der Pflanzung beginnt das erste Grün aus der Erde zu spitzen. Dann ist die Hacke ständiger Begleiter. Lockern Sie die Erde regelmäßig auf und häufeln Sie sie an der Pflanze an. Unkräuter sollten so erst gar nicht entstehen, wenn doch, müssen Sie diese entfernen.

Sparen können Sie sich das Auflockern, wenn Sie statt Erde beim Pflanzen eine Schicht aus Mulch ausbringen. Beim Thema Düngen genügt es oft schon, wenn Sie Mist in die Erde einarbeiten. Dies kann bereits im Herbst geschehen. Düngen müssen Sie ansonsten kaum, denn wenn die Kartoffeln zu viel Stickstoff bekommen, sind sie anfälliger für Krankheiten. Also sparsam damit umgehen.

Kartoffeln anbauen – die Ernte

Nach etwa drei Monaten kann theoretisch mit der Ernte begonnen werden. Sollten die Knollen noch zu klein sein (dazu einfach eine Kontrollgrabung durchführen), lassen Sie sie ruhig noch etwas in der Erde. Ernten können Sie sie am besten mit einer Grabgabel. Mit dieser heben Sie die sichtbaren Pflanzteile an und ziehen so die Kartoffeln aus der Erde. Entfernen Sie dann die Wurzeln und das Grünzeug. Idealerweise ernten Sie nur so viel, wie Sie auch zeitnah verwerten können. Wenn Sie sie allerdings eine Zeitlang lagern müssen, dann bitte dunkel und kühl, bei bis zu 10 Grad. Holzkisten sind für die Lagerung ideal. Kontrollieren Sie bei einer längeren Lagerung die Früchte regelmäßig auf Fäulnis.

Vorsicht, Kartoffeln sind giftig!

Bei dieser Aussage werden Sie vermutlich verwundert gucken und sich fragen, wie die Kartoffel giftig sein kann, wenn man sie doch isst. Viele wissen nämlich nicht, dass die Kartoffel durchaus Giftstoffe entwickeln kann. Allen voran das Alkaloid Solanin. Damit schützt sich die Knolle vor Pilzen, Schädlingen und Fressfeinden. Ja, wie jetzt? Sollte man Kartoffeln also nicht essen?

Natürlich können Sie Kartoffeln weiterhin essen, sollten allerdings etwas beachten: Wenn die Kartoffel schon sehr verschrumpelt ist und zahlreiche Augen bzw. Triebe gebildet hat, die Schale vielleicht auch schon grünlich ist, dann ist Vorsicht geboten, denn dann hat sie bereits Solanin entwickelt. Grüne Bereiche einer Kartoffel am besten großzügig entfernen. Es gibt immer wieder Falschinfos im Internet, bei denen zu lesen ist, dass solche Kartoffeln unter keinen Umständen mehr gegessen werden dürfen. Das ist so nicht ganz richtig. Wer lieber auf Nummer sicher geht, der isst diese Früchte tatsächlich nicht mehr. Wenn man sie allerdings schält und gut durchkocht, also nicht roh verzehrt, was wohl kaum jemand macht, dann sind sie unbedenklich.

Je grüner eine Kartoffel ist, umso giftiger ist sie auch. Vor allem Kinder sollten solche Kartoffeln nicht mehr essen. Mögliche Erscheinungen bei einer Vergiftung können sein:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Kreislaufprobleme
  • Atemprobleme
  • Halsbrennen
  • Krämpfe
  • Lähmungen
  • Nierenentzündungen
  • Störungen des zentralen Nervensystems

Wurden Kartoffeln mit Solanin verzehrt, können die ersten Symptome 4 bis 19 Stunden danach auftreten. Dies geschieht bereits bei einem Solaningehalt von 40 Milligramm pro 100 Gramm Kartoffeln.

Also bitte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine Verbannung der schmackhaften Knolle aus dem Speiseplan muss allerdings auch nicht sein.

 

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Bilder: © cane

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